Liebe Adrasan-Familie, liebe Taucherfreunde!
Früh morgens am Meer entdeckte ich, eine große Meeresschildkröte. Sie lag in der sanften Brandung und versuchte, wieder ins Wasser zu gelangen. Ich ergriff sie rechts und links vom Panzer und schob sie zurück ins Meer und bemerkte, dass sie auf der rechten Panzerseite Verletzungen – vielleicht durch eine Motorbootschraube hatte. Sie versuchte davon zu schwimmen, was ihr zunächst gelang, doch sie „plobbte“ – wie ein Korken – weder nach oben. Sie schaffte es nicht unterzutauchen, immer wieder kam der hintere Teil ihres Panzers nach oben. Als ich mit Helfern wieder kam, war sie schon weit weg.
An nächsten Nachmittag bei der Rückkehr von einem Tauchgang, fanden wir sie mit dem Hinterteil oben in der Bucht treibend; Alican sprang von Bord zu ihr. Zunächst tauchte sie in Panik ab, dann sahen wir, dass ihre linke Vorderflosse fehlte und dort nur ein Stummel herausragte. Alican tauchte ab und wir hoben sie gemeinsam an Bord der Fisheye. Abgedeckt mit meinem Tauchanzug und meinen „Turbantüchern“ hielten wir sie mit Meereswasser nass und fuhren zurück zur Basis.
Es war ein traumhaft schönes Tier mit wunderschönen traurigen Augen. Was hatte sie wohl alles schon erleiden müssen. Wir fuhren die Schildkröte mit dem Schubkarren zur Tauchbasis und legten sie ins mit Meerwasser leicht gefüllten Auswaschbecken und warteten auf die zwischenzeitlich informierten „Retter“. Nach über 6 Stunden beschwerlicher Anfahrt, erreichten um Mitternacht 3 Mitarbeiter der Meeresschildkrötenstation aus Dalyan endlich die Tauchbasis. Meryem, die Tierärztin hatte Medikamente dabei und spritze ihr ein Beruhigungsmittel, so dass sie die lange Rückreise einigermaßen gut überstehen würde.
Während des langen Wartens auf die Abholung, überlegte ich mir, dass das Engagement der Retter dermaßen bewundernswert ist, dass auch wir etwas tun müssten. Dieses Engagement sollte auch von uns Tauchern und Urlaubern, die ja gerade wegen der noch unberührten Natur nach Adrasan kommen, unterstützt werden. Spontan lief ich von Tisch zu Tisch und überzeugte die Anwesenden, dass wir die Aktion der Retter unterstützen, und ihnen etwas Geld, beispielsweise für Benzinkosten geben. Fast alle der Anwesenden waren derart berührt und unterstützten ohne zu Zögern mit ihren Geldgaben.
Wir gaben der Meeresschildkröte den Namen CAN, da sie von mir (Canan) gefunden und von Alican aus dem Wasser geholt wurde.
Mereyem und das Team von DEKAMER – der Meeresschildkrötenforschungsstelle der Universität Pamukale mit Sitz in Dalyan war sehr gerührt von der großzügigen Spende der anwesenden Urlauber und sagte, „wir zahlen damit nicht das Benzin, das Geld ist für Medikamente für Can“.
Wir sind in Kontakt und sie hält mich auf dem Laufenden, d.h. Can ist sehr wahrscheinlich ein Männchen; die Altersangabe ist noch etwas ungenau zwischen 25 und 50 Jahren; die Flosse wurde durch ein Fischernetz abgetrennt; leider ist das Netz innen stark eingewachsen; wohl schon vor längerer Zeit, die Verletzungen durch die Motorschraube ist nicht sehr gravierend.
Wenn Can es schaffen sollte, hätte er sogar mit nur 3 Flossen gute Überlebenschancen, er soll dann einen GPS-Peilsender erhalten und eventuell wieder in die Freiheit entlassen werden und dann können wir alle seinen weiteren Weg durchs immer schwerer werdende Meeresschildkrötenleben gemeinsam verfolgen.
Im Namen von Can danke ich allen von Herzen! Eure Canan aus Wangen im Allgäu
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